Buch Oma lässt grüßen und sagt es tut ihr leid

Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid | Fredrik Backman

„Nur Menschen, die anders sind, verändern die Welt, wer normal ist, bewegt kein Fünkchen“, pflegte Oma zu sagen.

Der Inhalt

Elsa ist fast acht Jahre alt und man würde sagen sie ist anders. Wer Elsa kennt sagt es mit Bewunderung, wer Elsa nicht kennt, sagt es mit Verachtung und jagt sie über den Schulhof.
Denn sie korrigiert Erwachsene in ihrer Aussprache, zückt einen roten Filzstift, wenn sie Rechtschreibfehler auf Schildern entdeckt, liest alles bei Wikipedia nach und lässt sich so einfach nichts vormachen. Sie ist Harry Potter Fan und liebt Superhelden und die Geschichten ihrer Oma, in denen sie ein mutiger Ritter ist und kein Mädchen, das anders ist und in der Schule von anderen gejagt wird.

Und als Oma stirbt, muss Elsa beweisen, was für ein mutiger Ritter sie wirklich ist.
Denn Oma hinterlässt ihr eine abenteuerliche Aufgabe. Und das in der wirklichen Welt.

Meine Meinung

Idioten kapieren einfach nicht, dass Nicht-Idioten mit einem Gedanken schon fertig und beim nächsten Gedanken angekommen sein können, bevor sie selbst so weit sind. Das ist der Grund, warum Idioten immer so ängstlich und aggressiv sind. Denn nichts jagt Ihnen mehr Angst ein als ein pfiffiges Mädchen.

Ein Buch über das anders sein. Darüber, dass man sich fürs anders sein keinesfalls schämen muss, sondern dass anders sein etwas besonderes ist, auf das man stolz sein kann und muss.
Ein Buch über Geschichten. Über Phantasie und Liebe und der unglaublichen Macht von beidem.
Und ein Buch über Menschen. Warum sie sind wie sie sind und dass Mensch sein und leben nicht immer einfach ist. Aber auch nicht immer kompliziert.

Besonders zu sein ist die beste Art, anders zu sein.

Mich hat die Geschichte über Elsa, die anders ist und deswegen von ihren Mitschülern gejagt wird, von der ersten Seite an mitgenommen. Positiv, als auch negativ. Denn es zerreißt mir das Herz in einer Welt zu leben, in der Menschen die anders sind beleidigt, bepöbelt, ausgelacht, verprügelt werden. Einfach weil anders sein den „normalen“ Menschen Angst macht. Ich selbst hatte das Glück anders sein zu dürfen, ohne jemals großartig dafür einstecken zu müssen. Umso wichtiger ist es, dass die, die anders sind und nicht so viel Glück haben, jemanden haben, wie Elsas Oma. Einen Superhelden, der ihnen zeigt, dass sie nicht allein sind, dass anders sein etwas besonderes ist und dass es sich lohnt zu kämpfen und am anders sein festzuhalten. Immer.
„Denn wenn nur genügend Kinder anders sind, dann muss keins mehr normal sein.“ (S. 455) Weil sich dann niemand mehr traut, die, die anders sind, zu jagen.

Backman schafft wie schon in „Ein Mann namens Ove“ wunderbare Charaktere. Vielschichtig und tief und zeigt wiedermal deutlich, dass Menschen sich oft nicht aussuchen Blödmänner oder Meckerziegen zu sein, sondern dass die Umstände sie dazu gemacht haben. Dass es sich lohnt Menschen nicht sofort aufzugeben, sondern ihnen eine Chance zu geben und sich mit ihnen zu beschäftigen. Und wer weiß, vielleicht hat man doch mehr gemein, als man denkt.

Zudem verwebt er wunderbar Harry Potter, Star Wars, X-Men und andere Helden-Geschichten in seinem Buch, was mir persönlich diese Geschichte noch liebenswerter gemacht hat. Denn ich liebe es Referenzen zu Lieblingsbüchern oder -figuren in anderen Büchern (oder auch Serien und Filmen) wiederzufinden. Noch mehr, wenn sie wohl bedacht und nicht plump sind.
Und Fredrik Backman hat sich die besten Referenzen ausgesucht, denn sie alle handeln nicht einfach von Helden. Sondern in den meisten Fällen von Außenseiter-Helden, die nur Helden waren, weil sie anders waren. Denn man wird nun mal kein Held, wenn man ist wie alle anderen.

Es kommt gar nicht so darauf an, woran genau man eigentlich glaubt, aber an irgendetwas muss man glauben, denn sonst kann man auf alles pfeifen.

Ich habe lange nicht so viele Zitate aus einem Buch rausgeschrieben. Was zum einen daran liegt, dass ich Backmans Sprache so wunderbar finde (wobei das hier natürlich der guten Übersetzung gilt, da ich selbst kein Schwedisch kann) und zum anderen, dass in diesem Buch so viel Weisheit steckt, die unbedingt weiter gegeben werden muss. So dass alle die anders sind, Mut finden auch anders zu bleiben und so dass alle die, die die Andersartigen klein halten wollen wissen, dass sie das niemals schaffen werden!

Das Cover

Oma lässt grüßen und sagt es tut ihr leidDer Stil ist der gleiche wie bei „Ein Mann namens Ove“, also für mich wieder irgendwie grausig. Sieht es doch irgendwie zu plastikhaft und langweilig aus und wird in beiden Fällen, den sehr tollen Geschichten hinter den Buchdeckeln nicht gerecht.

Ein Gedanke zu „Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid | Fredrik Backman

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