Robert Seethaler Der Trafikant

Der Trafikant | Robert Seethaler

Das möge zwar sein, sagte Franz, aber was für den einen bedeutsam sei, das sei für den anderen vielleicht eher uninteressant bis nutzlos. (S. 177)

Erwachsen werden ist nicht leicht, die Liebe schon gar nicht. Das merkt der junge Franz Huchel schnell, als er aus der beschaulichen Heimat im Salzkammergut in die imposante Stadt Wien ziehen muss. Dort lernt er nicht nur, was es heißt ein guter Trafikant zu sein, sondern auch wie schmerzlich die Liebe sein kann und dass nicht jeder, der erwachsen wird gleichzeitig auch gescheiter wird.

Der Inhalt

In der kleinen Trafik trifft der junge Franz das erste Mal auf Professor Freud. Beeindruckt von dem Gerede um den „Deppendoktor“ erhofft er sich Hilfe von ihm bei der Frage, was es mit dem Leben auf sich hat.
Freud reagiert etwas unwirsch, ob er nichts besseres zu tun hat, sich nicht vielleicht besser ein Mädchen suchen sollte. Und das tut Franz dann auch ohne langes Zögern. Dass man sich auch unglücklich verlieben kann und dass die Liebe nicht so einfach ist, wie man vielleicht meinen sollte, das hätte der Professor Franz aber auch vorher sagen können.
So kommt es, dass der unglücklich verliebte Franz und Freud sich unregelmäßig treffen und über die Liebe und das Leben sprechen.

Er raucht. Ich nicht. Ich frage ihn dies und das. Und er fragt mich dieses und jenes. Zwar wissen wir beide oft keine Antworten, aber das ist egal. Unter Freunden darf man auch einmal nichts wissen. (S. 163)

„Wie kann ein derartig langer Satz eine so kurze Bedeutung haben?“
„So ist das oft mit Sätzen. Wer viel redet, hat meist wenig zu sagen“, antwortete Freud ein wenig verdrießlich. (S. 74)

Meine Meinung

Der Trafikant Robert Seethaler Robert Seethaler hat eine herausragende Sprache. Gefühlvoll, ausmalend und phantastisch.
Großartig erzählt, mit einer einnehmenden Bildsprache. So wie man das weltliche Chaos zwischen Erwachsen sein und Kind sein nunmal erlebt.
Allein für den schönen Schreibstil lohnt sich dieses Buch also.

Sein Blick wanderte langsam über die Verkaufstheke, glitt über deren Rand auf den Boden hinunter, kroch in kleinen Bögen über die Dielen und blieb schließlich irgendwo knapp vor Franz‘ Schuhspitzen hängen. (S. 68)

Aber auch die Geschichte ist eine schöne. Eine tiefsinnige. Franz Erinnerungen an seine einfache Kindheit, die ihm doch so viel Glück gebracht hat und nun das Erwachsen werden mit all den großen und kleinen Problemen, die die Liebe, die Politik und andere Menschen so mit sich bringen. In all dem Gefühlschaos doch seinen Platz zu finden und zu lernen, was richtig und was falsch ist, wo so viele andere doch offensichtlich weder mit Herz noch Verstand denken, wenn sie denn überhaupt denken.

Franz schloss die Augen. Wie viele Abschiede kann ein Mensch eigentlich aushalten, dachte er. Vielleicht mehr, als man denkt. Vielleicht keinen einzigen. Nichts, als Abschiede, wo man auch bleibt, wohin man auch geht, das hätte einem jemand sagen sollen. (S. 235)

2 Gedanken zu „Der Trafikant | Robert Seethaler

    • MlleFacettenreich sagt:

      Ich denke, das abrupte Ende unterstreicht nur, dass zur Nazizeit eben so manches Ende abrupt war. Fand es passte ganz gut, auch wenn es natürlich sehr schade war, dass ein Geist, wie der von Franz, schon so früh sein Ende findet. Unterstreicht aber nur, was alles zerstört wurde und wird, weil so bescheuerte zu viel Macht haben.

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