Der Junge auf dem Berg John Boyne

Der Junge auf dem Berg | John Boyne

„Wenn man den Führer nicht aufhält, wird er das ganze Land zugrunde richten. Ganz Europa. Er sagt, er bringt Licht in die Köpfe der Deutschen – dabei ist er die Finsternis im Herzen der Welt.“

„Der Junge auf dem Berg“ habe ich in einer Leserunde zusammen mit Ellen und Michelle gelesen, die mir das Buch freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben. Meine erste Leserunde überhaupt.
Ich habe nur wenige lesende Menschen in meinem Unfeld und die, die lesen, lesen meist etwas anderes als ich. Umso toller war es zeitgleich mit anderen ein Buch zu lesen und sich darüber auszutauschen. Gerne öfter!

Natürlich bin ich mit absolut hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Denn das Buch „Der Junge im gestreiften Pyjama“ war einfach so unglaublich gut, dass ich hier einen weiteren Geniestreich erwartet habe. Leider wurde ich ein wenig enttäuscht.

Der Inhalt

Wir verfolgen in drei Teilen das Leben von Pierrot, der als Waise zu seiner Tante nach Deutschland kommt. Das Deutschland das gerade dabei ist Nazi-Deutschland zu werden. Und er kommt nicht irgendwohin, denn seine Tante arbeitet auf dem Berghof, der Sommerresidenz des Führers selbst. Und so kommt es, wie es kommen muss, der kleine Pierrot, der schon so früh in seinem Leben so viele Ungerechtigkeiten erleben musste, gerät unter die Fittiche von Adolf Hitler und findet sich perfekt ein in dieser nach Macht gierenden Nazigesellschaft. War er selbst doch immer so machtlos und verloren, glaubt er nun endlich Halt zu finden.

Eine vielversprechende Geschichte und vor allem der zweite Teil hat mich so viele verschiedene Dinge fühlen lassen. Wut, Fassungslosigkeit, Verachtung, Mitleid. Es war kaum zu ertragen. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal einen Hauptprotagonisten so verachtet habe.

Meine Meinung

Aber dann kam Teil drei des Buches und ich bekam stark das Gefühl, dass der Autor unbedingt noch eine Moral unterbringen wollte. Keine die unterschwellig zwischen den Zeilen versteckt ist und die man sich selbst erschließen muss, nein, er musste sie quasi auf einem Silbertablett servieren. Und das war mir persönlich in diesem Buch, für diese Geschichte – die es ja immerhin geschafft hatte, mich so viele verschiedenen Dinge zu fühlen lassen – einfach viel zu plump. Leider.

„Aber ich war ein Kind“, flehte Peter. „Ich wusste nichts. Ich habe nichts begriffen.“
Herta schüttelte den Kopf und nahm sein Gesicht zwischen die Hände. „Sieh mich an, Peter“, sagte sie. „Sieh mich an.“ Er hob den Blick, Tränen in den Augen.
„Behaupte nie, du hättest nicht gewusst, was hier vor sich ging. Du hast Augen und Ohren. Und du hast viele Male im Arbeitszimmer gesessen und Notizen gemacht. Du hast alles gehört. Du hast alles gesehen. Du hast alles gewusst. Und du weißt auch, für welche Dinge du verantwortlich bist.“ Sie stockte, doch es musste ausgesprochen werden. „Welche Toten du auf dem Gewissen hast. Aber du bist noch jung, du bist erst sechzehn; du hast noch viele Jahre vor dir, um zu verarbeiten, dass du bei all dem mitgemacht hast. Aber red dir nie ein, du hättest von nichts gewusst.“ Damit ließ sie ihn los. „Das wäre das schlimmste Verbrechen überhaupt.“

Sieht man darüber aber hinweg und über ein, zwei Kleinigkeiten, die ich den Protagonisten nicht wirklich abnehmen konnte, ist „Der Junge auf dem Berg“ durchaus eine erschütternde Geschichte, die eindrucksvoll beleuchtet, was durch äußere Impulse aus Menschen werden kann. Durchaus lesenwert, auch wenn dies kein Buch wird, das in meinem Bücherregal verbleiben darf. Dafür war der große Bruder „Der Junge im gestreiften Pyjama“ einfach zu gut und genial.

Ein Gedanke zu „Der Junge auf dem Berg | John Boyne

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